Audio-Fingerprinting: Wie AudioContext Ihren Browser verfolgt
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Audio-Fingerprinting: Wie AudioContext Ihren Browser verfolgt

Audio-Fingerprinting verarbeitet ein stilles Signal im Browser und misst winzige Fließkomma-Unterschiede. Das Ergebnis identifiziert Ihr Gerät eindeutig — kein Mikrofon nötig. DSGVO-Analyse.

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Audio-Fingerprinting verarbeitet ein synthetisches Tonsignal im Browser und misst winzige Fließkomma-Unterschiede in der Audioausgabe. Kein Mikrofon, kein Ton, kein Nutzerbewusstsein — und dennoch entsteht ein stabiler Identifier, der Cookie-Löschung und Inkognito-Modus überlebt. Nach der DSGVO fällt dieses Signal unter die Kategorie personenbezogener Daten, wenn es zur Identifikation einer Person eingesetzt wird.

Wie Audio-Fingerprinting funktioniert

Die Web Audio API — ursprünglich für Musik-Apps und Spiele entwickelt — wird hier zweckentfremdet:

  1. Offline-Kontext erstellen: Ein OfflineAudioContext verarbeitet Audio ohne Wiedergabe, rein im Speicher.
  2. Testsignal generieren: Ein Dreiecks-Oszillator bei 10 kHz erzeugt ein deterministisches Tonsignal.
  3. Signal komprimieren: Ein DynamicsCompressorNode verarbeitet das Signal — dieser Schritt verstärkt hardware-spezifische Unterschiede.
  4. Puffer auslesen: context.startRendering() liefert den fertigen Audio-Puffer. Die Fließkommawerte der Samples werden summiert oder gehasht.

Codebeispiel

const ctx = new OfflineAudioContext(1, 44100, 44100);

const oscillator = ctx.createOscillator();
oscillator.type = 'triangle';
oscillator.frequency.value = 10000;

const compressor = ctx.createDynamicsCompressor();
oscillator.connect(compressor);
compressor.connect(ctx.destination);

oscillator.start(0);
ctx.startRendering().then(buffer => {
  const data = buffer.getChannelData(0);
  const fingerprint = data.slice(4500, 5000)
    .reduce((acc, val) => acc + Math.abs(val), 0);
  console.log(fingerprint); // z. B. 124.04347527027386
});

Warum unterscheiden sich die Werte?

Die Web-Audio-Spezifikation erlaubt implementierungsabhängige Fließkomma-Arithmetik. Verschiedene Betriebssysteme, Audiobibliotheken und CPU-Architekturen liefern deshalb geringfügig unterschiedliche Ergebnisse — konsistent für dasselbe Gerät, aber unterscheidbar zwischen verschiedenen Geräten.

MerkmalWert
Entropie~4,8 Bit
Benötigt MikrofonNein
Benötigt Ton-WiedergabeNein
Überlebt Cookie-LöschungJa

Grenzen und Umgehungen

Safari 17 injiziert in den Audio-Ausgabe-Puffer weißes Rauschen. Allerdings zeigte eine Studie aus 2024, dass diese Maßnahme mit 40.000 Samples umgehbar ist: Durch Mittelwertbildung vieler Messungen lässt sich das Rauschen herausrechnen und der echte Hardware-Wert rekonstruieren.

DSGVO-Relevanz

Audio-Fingerprinting ist für Nutzerinnen und Nutzer unsichtbar und erfordert keine Zustimmung zur Mikrofon-Nutzung. Dennoch erzeugt es ein persistentes Kennzeichen. Nach DSGVO Art. 5 Abs. 1 lit. c (Datensparsamkeit) sollten Websites prüfen, ob der Einsatz dieser Technik zu Tracking-Zwecken verhältnismäßig ist. Der Einsatz ohne Einwilligung dürfte in den meisten EU-Ländern rechtswidrig sein.

Schutzmaßnahmen

  • Firefox privacy.resistFingerprinting: Liefert konstante Nullwerte für alle Audio-Puffer und blockiert Audio-Fingerprinting vollständig.
  • Brave Browser: Fügt dem Audio-Puffer sitzungsgebundenes Rauschen hinzu (Farbling), sodass jede Website einen anderen Hash erhält.
  • Tor Browser: Blockiert OfflineAudioContext-Rendering standardmäßig.

Weitere Fingerprinting-Signale

Audio-Fingerprinting wird selten allein verwendet. Es ergänzt Canvas-Fingerprinting und WebGL-Fingerprinting zu einem kombinierten Profil. Unser Fingerprint-Tool zeigt Ihnen alle aktiven Signale auf einen Blick.

Prüfen Sie Ihre IP-Adresse, Ihren Standort und Ihre Datenschutzbewertung — sofort.

Keine Logs. Kein Tracking. Keine externen APIs.

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